Was ist Endodontie?

Endodontie ist das Teilgebiet der Zahnmedizin, das sich mit Erkrankungen des Zahninneren und des Wurzelkanalsystems beschäftigt. Ziel der Behandlung ist die Kontrolle bakterieller Infektionen im Zahninneren und der langfristige Erhalt des natürlichen Zahns. Ursachen können unter anderem tiefe Karies, undichte Füllungen, Risse oder Traumata sein, durch die Mikroorganismen in das Kanalsystem gelangen.

Wann ist eine endodontische Behandlung notwendig?

Eine Behandlung wird erforderlich, wenn der Zahnnerv entzündet oder abgestorben ist oder eine Entzündung im Bereich der Wurzelspitze vorliegt. Hinweise können Schmerzen, Aufbissbeschwerden, verlängerte Temperaturempfindlichkeit oder radiologische Befunde sein. Nicht jeder betroffene Zahn verursacht sofort Beschwerden, weshalb eine strukturierte Diagnostik entscheidend ist. Besonders bei komplexen anatomischen Verhältnissen oder Vorbehandlungen ist eine differenzierte Beurteilung der Erhaltungsprognose notwendig.

Ablauf einer Wurzelkanalbehandlung

Bei einer endodontischen Behandlung wird der Zahn unter lokaler Betäubung eröffnet. Entzündetes oder infiziertes Gewebe wird entfernt, das Kanalsystem gereinigt und mit desinfizierenden Lösungen behandelt. Anschließend werden die Kanäle dicht gefüllt, um eine erneute bakterielle Besiedelung zu verhindern. Je nach Befund, Anatomie und Infektionsgrad kann die Behandlung in einem oder mehreren Terminen erfolgen.

Erfolgsaussichten und Prognose

Der Behandlungserfolg zeigt sich durch Beschwerdefreiheit und die Ausheilung entzündlicher Veränderungen im Knochen um die Wurzelspitze. Einfluss auf die Prognose haben unter anderem die individuelle Kanalanatomie, der Infektionsgrad, mögliche Vorbehandlungen sowie die Qualität der Desinfektion und der abschließenden Versorgung. Die Heilung kann mehrere Monate dauern und wird durch klinische und radiologische Verlaufskontrollen beurteilt.

Moderne Möglichkeiten der Endodontie

Moderne endodontische Verfahren kombinieren präzise Diagnostik, standardisierte Behandlungsprotokolle und spezialisierte Instrumente. Optische Vergrößerung, digitale Bildgebung und strukturierte Desinfektionsverfahren können helfen, komplexe Kanalsysteme besser zu beurteilen und schwer zugängliche Bereiche zu behandeln. Technische Verfahren unterstützen die Therapie, ersetzen jedoch nicht klinische Erfahrung und differenzierte Diagnostik.

Wann ist eine spezialisierte endodontische Behandlung besonders sinnvoll?

Eine Behandlung in einer endodontisch spezialisierten Praxis kann insbesondere bei komplexen Befunden von Vorteil sein. Dazu zählen beispielsweise stark gekrümmte oder verzweigte Wurzelkanäle, bereits vorbehandelte Zähne, vermutete Zusatzkanäle, unklare Schmerzursachen oder erschwerte diagnostische Situationen. In solchen Fällen können vertiefte Erfahrung, strukturierte Behandlungsprotokolle und erweiterte diagnostische Möglichkeiten die Therapieplanung und Prognoseeinschätzung unterstützen.

Glossar wichtiger Begriffe der Endodontie

Pulpa – das Gewebe im Zahninneren mit Nerven und Gefäßen
Apex – die Spitze der Zahnwurzel
Revision – erneute Behandlung eines wurzelbehandelten Zahns
Obturation – dichter Verschluss der Wurzelkanäle
Periapikal – Bereich um die Wurzelspitze
Desinfektion – Reduktion von Mikroorganismen im Kanalsystem
Kanalanatomie – individuelle Struktur der Wurzelkanäle

FAQ

White ArrowWelche Themen werden auf dieser Seite behandelt?

Diese Seite dient als Überblick über zentrale Fragestellungen der Endodontie. Sie bündelt Inhalte zu Diagnostik, Behandlungsablauf, modernen Verfahren, Prognose, Kosten sowie speziellen Situationen wie Angstpatient:innen oder Überweisungen. Ziel ist es, komplexe Zusammenhänge strukturiert und verständlich darzustellen.

White ArrowWas versteht man unter einer Wurzelkanalbehandlung?

Eine Wurzelkanalbehandlung ist ein zahnmedizinisches Verfahren zur Behandlung eines entzündeten oder infizierten Zahnnervs.

Dabei wird das erkrankte Gewebe aus dem Inneren des Zahns entfernt, das Wurzelkanalsystem gründlich gereinigt und desinfiziert und anschließend bakteriendicht verschlossen.

Ziel der Behandlung ist es, die Infektion zu kontrollieren und den natürlichen Zahn trotz Schädigung langfristig zu erhalten.

Je nach Ausgangsbefund kann die Behandlung in einem oder mehreren Terminen erfolgen.

In spezialisierten Praxen kommen häufig mikroskopgestützte Verfahren zum Einsatz, um auch feine oder schwer zugängliche Strukturen im Wurzelkanalsystem sicher zu behandeln.

White ArrowWas umfasst die Endodontie?

Die Endodontie ist ein Teilgebiet der Zahnmedizin, das sich mit Erkrankungen des Zahninneren und des Wurzelkanalsystems befasst.

Ziel ist es, entzündete oder infizierte Strukturen zu behandeln und den natürlichen Zahn langfristig zu erhalten.

Dabei reicht das Spektrum von der klassischen Wurzelkanalbehandlung über Revisionsbehandlungen bis hin zu ergänzenden chirurgischen Verfahren, wie z. B. der Wurzelspitzenresektion.

White ArrowWann wird eine Wurzelkanalbehandlung notwendig?

Eine endodontische Behandlung wird erforderlich, wenn der Zahnnerv entzündet, infiziert oder bereits abgestorben ist.

Ursachen können unter anderem bakterielle Infektionen des Zahnnervs z. B. durch tiefe Karies, oder funktionelle Überlastungen bis hin zu Rissen im Zahn sein.

Ziel ist es, die Infektion zu kontrollieren und den Zahn trotz Schädigung zu erhalten.

Typische Beschwerden können Schmerzen, hohe Empfindlichkeit bei Druck, Klopfen, Kälte oder Wärme sein. 

Oft ist der Zahn aber auch still abgestorben, fühlt keine Kälte mehr und an der Wurzelspitze ist bereits eine Entzündung im Kieferknochen entstanden. Diese Zähne verursachen kaum oder keine Beschwerden, da das Immunsystem des Patienten die Entzündung unterdrückt, was die Abwehrlage des Patienten jedoch belastet.

White ArrowIst eine Wurzelkanalbehandlung schmerzhaft?

Unter wirksamer lokaler Betäubung ist eine Wurzelkanalbehandlung in der Regel schmerzfrei oder deutlich schmerzärmer, als viele Patient:innen erwarten.

Beschwerden nach der Behandlung können manchmal vorkommen und hängen meist mit dem Ausgangsbefund und dem Entzündungsgrad zusammen, sind meist nicht stark und klingen in der Regel innerhalb weniger Tage ab.

White ArrowWie lange dauert eine Behandlung?

Die Dauer einer Wurzelkanalbehandlung hängt von mehreren Faktoren ab, insbesondere von der Anatomie des Wurzelkanalsystems, dem Entzündungsgrad und möglichen Vorbehandlungen.

Viele Behandlungen lassen sich in ein bis zwei Terminen durchführen, bei komplexen Befunden kann ein zusätzlicher Termin sinnvoll sein.

White ArrowWie hoch sind die Erfolgsaussichten?

Die Erfolgsaussichten sind grundsätzlich sehr hoch und hängen von verschiedenen Faktoren ab:

  • vom individuellen Ausgangsbefund, insbesondere von der Anatomie des Zahns,
  • dem Ausmaß der Infektion
  • der Qualität und Präzision der Behandlung.

Ziel ist es, entzündliche Prozesse zu kontrollieren und eine langfristige Beschwerdefreiheit zu erreichen.

Eine abschließende Beurteilung erfolgt häufig erst im zeitlichen Verlauf durch Nachkontrollen.

White ArrowWarum werde ich zu einer Spezialpraxis überwiesen?

Eine Überweisung erfolgt in der Regel dann, wenn ein Zahn besondere diagnostische oder therapeutische Anforderungen stellt.

Hintergrund ist die zunehmende Spezialisierung innerhalb der Zahnmedizin. Komplexe endodontische Fälle werden gezielt an darauf fokussierte Praxen überwiesen, um die Behandlungsqualität und die Prognose zu verbessern.

White ArrowKann ich auch ohne Überweisung kommen?

Natürlich können Sie auch ohne Überweisung zu uns kommen.

Die Zusammenarbeit mit einem Sie betreuenden Hauszahnarzt ist jedoch sehr wichtig und macht eine optimale Behandlung erst möglich.

In der Regel überweisen uns stark am Erhalt der Zähne ihrer Patienten interessierte Zahnärzt:innen Patienten zur Wurzelkanalbehandlung.

Zu Grunde liegt die Philosophie, dass jeder im Interesse des Patienten das macht, was er am besten kann, so dass wir gemeinsam für Sie das Optimum erreichen.

So können wir zusammen mit engagierten Zahnärzt:innen viele Zähne langfristig erhalten, die sonst oft gezogen werden.

White ArrowWarum ist Spezialisierung in der Endodontie wichtig?

Die Endodontie ist ein technisch und biologisch anspruchsvolles Teilgebiet der Zahnmedizin.

Komplexe Kanalanatomien, Revisionsbehandlungen oder persistierende Infektionen erfordern häufig besondere Erfahrung und strukturierte Behandlungsprotokolle.

Spezialisierung ermöglicht es, solche Fälle gezielt und differenziert zu behandeln, da der SPEZIALIST sich nur auf das eine Fachgebiet konzentriert.

White ArrowIst spezialisiert = Spezialist?

Ein Zahnarzt der bereits Fortbildungskurse in Endodontie besucht hat wird häufig als spezialisiert bezeichnet.

Für die Bezeichnung als SPEZIALIST fordern deutsche Gerichte jedoch wesentlich mehr, unter anderem eine vollständige LIMITIERUNG auf dieses Fachgebiet.

Ein SPEZIALIST für ENDODONTOLOGIE ist also ein Zahnarzt der auf Endodontie/Wurzelkanalbehandlungen LIMITIERT ist und nichts anderes macht, keine Füllungen, keine Kronen, keine Zähne zieht, keine Implantate setzt, usw.

Dadurch muss sich der Spezialist nicht mit den vielen anderen Themen beschäftigen, sondern kann sein Engagement voll auf das eine Fachgebiet konzentrieren.

Die hier genannten juristischen Anforderungen sind vielen Zahnärzten jedoch nicht bekannt, so dass der Begriff SPEZIALIST oft unwissentlich falsch verwendet wird.

White ArrowWarum reicht ein Mikroskop allein nicht aus?

Eine optimale technische Ausstattung ist natürlich die Voraussetzung für eine hochwertige Behandlung unter Ausnutzung aller Möglichkeiten.

Eine Behandlung unter dem Mikroskop macht dabei die Bearbeitung von Strukturen möglich, die man ohne Mikroskop noch nicht einmal sehen kann.

So wird das Auffinden und die Erschließung vieler Wurzelkanalstrukturen und die Beseitigung der dortigen Bakterien erst möglich. 

Daher ist der Einsatz des Mikroskops Voraussetzung für eine Behandlung auf höchstem Niveau.

Um diese Strukturen zu erkennen sind darüber hinaus jedoch umfangreiche Kenntnisse der möglichen Varianten von Wurzelkanalsystemen erforderlich, sonst werden diese trotz Mikroskop nicht entdeckt.

Zudem muss der Einsatz des Mikroskops häufig über einen Spiegel erfolgen, so dass der Behandler alle Bewegungen spiegelverkehrt ausführen muss.

Aber nur durch permanentes Training und umfassende Kenntnisse der anatomischen Strukturen erreicht der Behandler die Fähigkeit das Mikroskop entsprechend einzusetzen.

Erforderlich ist darüber hinaus ein im mikroskopischen Arbeiten perfekt trainiertes Assistenzteam, das es dem Zahnarzt durch Umsetzung eines perfektionierten ergonomischen Konzept ermöglicht permanent fokussiert durch das Mikroskop zu schauen.

In einer auf Wurzelkanalbehandlungen limitierten Praxis trainieren Behandler und Assistenz über Jahre jeden Tag nichts anderes.

White ArrowKann ein wurzelbehandelter Zahn langfristig erhalten bleiben?

Ja, bei fachgerechter Behandlung und stabiler Versorgung kann ein wurzelbehandelter Zahn viele Jahre oder sogar dauerhaft erhalten bleiben.

Entscheidend sind neben der endodontischen Therapie auch die anschließende stabile Versorgung des Zahns sowie regelmäßige Kontrollen.

White ArrowKann mein Zahn nach erfolgloser Wurzelkanalbehandlung erhalten werden?

Ja, auch wenn bereits eine Wurzelkanalbehandlung fehlgeschlagen ist, kann der Zahn in den meisten Fällen durch eine sogenannte Revisionsbehandlung noch erhalten werden.

In der Endodontie am Venusberg werden extrem viele Revisionsbehandlungen durchgeführt und wir übertreffen dabei die Erfolgsquoten in der Literatur.

White ArrowWarum sollte einer Revisionsbehandlung in der Regel der Vorzug vor einer Wurzelspitzenresektion gegeben werden?

Mit einer Wurzelspitzenresektion können nur mögliche Krankheitsursachen im Bereich der unteren 3 mm der Wurzel beseitigt werden. Dann wird versucht den Rest der Infektion mit einem dichten Verschluss von unten „einzusperren“.

In den meisten Fällen sind jedoch noch große Teile des Wurzelkanalsystems infiziert und in Abhängigkeit von der vorliegenden Menge an Bakterien reicht der Verschluss von unten nicht aus, um diese dicht einzusperren.

Bei einer Revisionsbehandlung wird die gesamte bisherige Wurzelkanalbehandlung wiederholt und eine Reinigung des gesamten Wurzelkanalsystems ist möglich. 

Nur in wenigen Fällen führt eine hochwertige Revisionsbehandlung nicht zum Erfolg. Dann kann immer noch eine Wurzelspitzenresektion erfolgen, ist aber nur sehr selten erforderlich.

White ArrowWas ist eine Wurzelspitzenresektion (WSR) und was ist dabei zu beachten?

Eine WSR ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem das Zahnfleisch aufgeschnitten und durch den Knochen die Wurzelspitze entfernt wird. Dabei wird der Zahn und seine Wurzel erhalten.

Nur in seltenen Fällen, ist eine Wurzelspitzenresektion (WSR) ergänzend zu einer Wurzelkanalbehandlung angezeigt.

Wenn die vorhandene Wurzelkanalfüllung unvollständig und das Wurzelkanalsystem noch stark infiziert ist, reduziert sich die Erfolgsquote der Wurzelspitzenresektion.

Daher sollte in diesen Fällen zuerst immer eine Revision der unvollständigen Wurzelkanalbehandlung erfolgen. In den meisten Fällen ist dann keine Wurzelspitzenresektion mehr erforderlich.

Falls in seltenen Fällen doch einmal eine Wurzelspitzenresektion erforderlich wird, muss diese natürlich fachlich korrekt durchgeführt werden.

Leider wird die Wurzelspitzenresektion in Deutschland meist nicht leitliniengerecht, sondern in einer vereinfachten Form durchgeführt:

  • Die Wurzelspitze wird schräg abgeschnitten statt im vorgeschriebenen 90°-Winkel zur Wurzel.
  • Nach dem Abschneiden der Wurzelspitze muss der Wurzelkanal und dort häufig vorhandene Querverbindungen zwischen 2 Wurzelkanälen von „unten“ mindestens 3 mm tief achsgerecht auspräpariert, gereinigt und desinfiziert werden.
    Man nennt dies eine retrograde Präparation. Dies erfolgt meist nicht.
  • Nach der retrograden Präparation muss dieser 3 mm tiefe Bereich mit einem biokompatiblen Material dicht abgefüllt werden. Auch dies erfolgt zumeist nicht.

Um diese Kriterien exakt umzusetzen empfiehlt es sich die Behandlung unter dem Mikroskop mit feinen diamantierten Ultraschallinstrumenten auszuführen, da die zu behandelnden kleinen Strukturen ansonsten kaum zu erkennen und zu bearbeiten sind.

Dies ist schwierig und erfordert viel Übung.

Werden die hier genannten Kriterien nicht umgesetzt, sinkt die Erfolgsquote einer Wurzelspitzenresektion rapide ab.

Weitere Informationen zu Wurzelspitzenresektionen finden Sie einem Artikel, den Dr. Carsten Appel als Mitautor der Leitlinie Wurzelspitzenresektion 2023 für die Zeitschrift ENDODONTIE des Quintessenzverlages geschrieben hat.

White ArrowWarum höre ich häufig, dass Zähne nach einer Wurzelspitzenresektion doch gezogen werden müssen?

Weil bei der Wurzelspitzenresektion oft nicht gemäß der deutschen Leitlinie ausgeführt wird, wie oben bereits beschrieben:

  • Die Wurzelspitzenresektion wird gemacht, obwohl die vorhandene Wurzelkanalfüllung unvollständig oder offensichtlich undicht und somit stark infiziert ist anstatt dass eine Revision der Wurzelkanalbehandlung erfolgt.
  • Die Wurzelspitze wird schräg abgeschnitten statt im vorgeschriebenen 90°-Winkel zur Wurzel.
  • Nach dem Abschneiden der Wurzelspitze muss der Wurzelkanal und dort häufig vorhandene Querverbindungen zwischen 2 Wurzelkanälen von „unten“ mindestens 3 mm tief achsgerecht auspräpariert, gereinigt und desinfiziert werden.
    Man nennt dies eine retrograde Präparation. Dies erfolgt meist nicht.
  • Nach der retrograden Präparation muss dieser 3 mm tiefe Bereich mit einem biokompatiblen Material dicht abgefüllt werden. Auch dies erfolgt zumeist nicht.
  •  

White ArrowIst eine Revision eine Alternative zur Wurzelspitzenresektion?

Gemäß europäischer und deutscher Leitlinie sollte immer zuerst eine Revision der Wurzelkanalbehandlung durchgeführt werden.

Eine korrekt durchgeführte Wurzelspitzenresektion (WSR) ist nur sehr selten ohne vorhergehende Revision angezeigt.

White ArrowMein Zahn hatte bereits eine Wurzelspitzenresektion und ist immer noch entzündet. Muss der nun gezogen werden?

Üblicherweise werden solche Zähne gezogen.

In der Endodontie am Venusberg erhalten wir jedoch auch solche Zähne in den meisten Fällen. 

Dr. David Appel hat dazu eine vielbeachtete Studie im hochrangigen International Endodontic Journal publiziert, die unsere hohe Erfolgsquote hierbei wissenschaftlich belegt.

White ArrowWie wird beurteilt, ob ein Zahn gezogen werden muss?

3 Kriterien müssen beurteilt werden, um zu entscheiden, ob man einen Zahn noch erhalten kann:

1. Ist noch genügend Substanz erhalten?
Wenn der Zahn ringsherum noch 3 mm aus dem Kiefer herausragt, reicht die Substanz aus, um ihn stabil mit einer Krone zu fassen.
Häufig wird ein Teil des restlichen Zahns durch das Zahnfleisch verdeckt, so dass es im Mund nach weniger aussieht. Dies kann man aber in wenigen Sekunden genau prüfen.
In manchen Fällen kann die Situation durch eine geringe Reduktion am Kieferknochen verbessert werden.

2. Hat der Zahn genügend Halt im Knochen?
Wenn der Zahn fest und ausreichend im Knochen verankert ist, spricht das dafür ihn zu erhalten.

3. Ist eine evtl. erforderliche Wurzelkanalbehandlung vollständig erfolgreich durchführbar?
Dies hängt zum einen vom jeweiligen Zahn und den Fähigkeiten des Zahnarztes speziell bei der Wurzelkanalbehandlung ab, zum anderen von der Ausdehnung einer eventuellen Entzündung im Kieferknochen.

Erfahrungsgemäß lassen sich jedoch auch schwierige Zähne und auch größere Entzündungen erfolgreich behandeln, wie in unseren Fallbeispielen zu sehen.
Viele engagierte Zahnärzte ziehen daher oft den Endo-Spezialisten hinzu, um auch schwierige Zähne zu retten.

White ArrowIst ein Implantat besser als ein wurzelkanalbehandelter Zahn?

Nein. Wenn ein Zahn korrekt wurzelkanalbehandelt und stabil versorgt wird, ist ein Implantat nicht besser.

Implantate haben keine bessere Erfolgsquote als ein vollständig wurzelkanalbehandelter Zahn.

Ob ein Implantat erfolgreich, ist hängt von der individuellen Situation ab.

Implantate haben in unterschiedlichen Bereichen des Kiefers unterschiedliche Erfolgsquoten.

Ist nicht genug Knochen vorhanden oder muss ein Knochenaufbau gemacht werden, steigt die Komplikationsrate.

Hat der Patient Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) oder ist er Diabetiker oder Raucher, sinkt die Erfolgsquote eines Implantats weiter.

Erfüllt der Zahn die Anforderungen, um erhalten zu werden, sollte er zunächst erhalten werden!

Leider werden Zähne oft vorschnell gezogen und wenn dann das Implantat nicht erfolgreich ist, beginnen die Probleme.

Ist der Zahn jedoch nicht mehr vorhanden oder kann wirklich nicht erhalten werden, bieten Implantate weitere Alternativen.

White ArrowWarum empfiehlt der eine Zahnarzt ein Implantat und der andere eine Wurzelkanalbehandlung?

Dafür kann es sicher unterschiedliche Gründe geben. 

Grundsätzlich beurteilt jeder Zahnarzt eine Situation vor dem Hintergrund seiner eigenen Kenntnisse und Erfahrungen.

So wird wahrscheinlich ein Zahnarzt der vermehrt im Bereich Implantologie und weniger im Bereich Endodontologie tätig ist, bei schwierigeren Fällen eher keine Wurzelkanalbehandlung empfehlen, da er hier weniger Erfahrungen mit aktuellen Möglichkeiten hat.

Ein Endodontologe wird hingegen zuerst alle Möglichkeiten des Zahnerhalts ausnutzen, bevor er einen Zahn aufgibt.

Wichtig ist es, die individuelle Situation des jeweiligen Patienten zu beurteilen, statt pauschal zu entscheiden.

Dr. Carsten Appel hat bereits auf mehreren wissenschaftlichen Kongressen z. B. der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGParo) oder der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe zur Entscheidungsfindung zwischen Zahnerhalt und Implantatersatz referiert.

Kurz erklärt: Endodontie ist das Teilgebiet der Zahnmedizin zur Behandlung von Erkrankungen des Zahninneren und des Wurzelkanalsystems. Ziel ist die Kontrolle bakterieller Infektionen und der langfristige Erhalt des natürlichen Zahns. In spezialisierten Praxen umfasst dies insbesondere die mikroskopgestützte Behandlung komplexer Kanalanatomien sowie die Therapie bereits vorbehandelter oder persistierend infizierter Zähne.

  • Ziel: Eliminierung bakterieller Infektionen im Wurzelkanalsystem
  • Indikation: entzündeter, infizierter oder bereits vorbehandelter Zahnnerv
  • Behandlung: Reinigung, Desinfektion und bakteriendichter Verschluss der Wurzelkanäle
  • Besonderheit: mikroskopgestützte Therapie und Behandlung komplexer anatomischer Strukturen
  • Kontrolle: standardisierte klinische und radiologische Verlaufskontrollen
Kontakt Icon 0228 242 600 40
Termin Icon TERMIN BUCHEN