Endodontie – aktuelle Möglichkeiten

Auf dieser Seite finden Sie eine Auflistung einiger, beispielhafter Möglichkeiten heutiger Endodontie.

Um diese, häufig technischen Entwicklungen vollständig zu nutzen, ist eine entsprechende Qualifikation des Behandlers die wichtigste Voraussetzung. Ohne entsprechende Qualifikation und Training nützt auch das tollste Gerät nichts. Informieren Sie sich auf unseren Seiten auch über die Qualifikationen in der Endodontie!

Häufig können bei konventionellem Vorgehen aaufgrund diverser Schwierigkeiten die bei einer Wurzelkanalbehandlung erforderlichen Massnahmen nicht vollständig umgesetzt werden und die Behandlung ist nicht erfolgreich.
Solche Schwierigkeiten sind z. B. eine komplizierte Wurzelanatomie, eine starke Verengungen der Wurzelkanäle (sog. Obliteration), ein durch eine erfolglose Vorbehandlung entstandenes Hindernis, eine Resorption der Wurzel im Rahmen von Entzündungsvorgängen, eine Perforation der Wurzel, ein sehr fest sitzender Wurzelstiften, etc.. Hierfür bieten aktuelle technische Entwicklungen dem qualifizierten Behandler die Möglichkeit, diese Schwierigkeiten zu meistern und so Zähne zu erhalten, die ansonsten entfernt werden müssen.

Tools

Desinfektion
Hauptziel einer Wurzelkanalbehandlung ist die Elimination aller Bakterien aus dem Wurzelkanalsystem. Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass auch im Wurzelkanal Bakterien in einem Biofilm vorliegen, in dem sie um bis zu 1.000-fach besser gegen Desinfektion geschützt sind, als bis dahin angenommen. Entsprechend müssen die im Rahmen der Therapie erforderlichen Desinfektionsmassnahmen angepasst werden. Wesentlicher Bestandteil des dazu erforderlichen stringenten Desinfektionsprotokolls sind dabei ausreichend hohe Einwirkzeiten, die u. a. zu deutlich längeren Behandlungszeiten führen als üblich. Erfolgt dies nicht, überleben Bakterien im Wurzelkanalsystem und führen zum Scheitern der Behandlung.

Mikroskop
Die umfassendste technische Weiterentwicklung ist sicherlich die Behandlung unter dem Mikroskop.

Hierbei schaut der Zahnarzt permanent durch ein großes Stereomikroskop und sieht den Zahn in bis zu 30-facher Vergrößerung. Wichtig dabei ist, dass der Zahnarzt die VOLLSTÄNDIE Behandlung unter dem Mikroskop ausführt. Eine perfekte Assistenz voraus gesetzt blickt der Spezialist dabei ausschließlich durch das Mikroskop. Wird das Mikroskop nur für einzelne Teile der Behandlung verwendet, kann die hierdurch mögliche Präzision nicht durchgängig erreicht werden. Einer der häufigsten Fehler, die zum Mißerfolg einer Wurzelkanalbehandlung führen, das Übersehen von Anteilen des Wurzelkanalsystems oder die unvollständige Bearbeitung insbesondere der wurzelspitzennahen Wurzelkanalanteile, kann durch hochpräzises Arbeiten unter dem Mikroskop meist vermieden werden.

Nickel-Titan Instrumente
Die mechanische Bearbeitung des Wurzelkanals erfolgt heute mit hoch flexiblen Nickel-Titan-Instrumenten, die mittels mikroprozessor-gesteuerten Motoren betrieben werden So ist eine wesentlich effizientere und präzisere Bearbeitung der Wurzelkanalwände möglich. Nachteil ist, dass ein Nickel-Titan-Instrument ein Mehrfaches eines konventionellen Stahlinstruments kostet.

Ultraschalleinsatz im Wurzelkanal
Mittels filigraner Ultraschallinstrumente kann der Zahnarzt die Intensität der Wurzelkanalspülung erhöhen und so die Reinigung der Wurzelkanäle deutlich verbessern. Auch kann er mit speziellen Ultraschallinstrumenten komplexe Areale des Wurzelkanals unter mikroskopischer Kontrolle gezielt bearbeiten.

Elektrische Längenmessung
Wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Wurzelkanalbehandlung ist die Bearbeitung des Wurzelkanals auf seiner vollen Länge. Erfolgt dies nicht, verbleiben hier meist abgestorbene Gewebsreste und Bakterien. Die Bestimmung der Länge eines Wurzelkanals allein mittels einer Röntgenmessaufnahme ist dabei zu ungenau. Daher ist eine elektrische Längenmessung zwingend erforderlich. Hierbei arbeitet der Spezialist mit einer Genauigkeit von 0,5 mm. Weitere Informationen hierüber finden Sie auch in „Die endodontische Arbeitslänge – zwischen Wissenschaft und Tradition“ [Appel, C; Endodontie 2008; 17(4): 375-381].

Thermoplastische Wurzelkanalfüllung
Ist im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung die Keimbesiedlung des Wurzelkanals beseitigt worden, kommt es nun darauf an, das verbleibende Hohlraumsystem dicht zu verschließen. Von einfacheren Wurzelkanalanatomien abgesehen, ist dies mit konventionellen Verfahren oft nicht möglich. Um eine dichte Wurzelkanalfüllung zu erzielen, sind daher thermoplastische Verfahren zu empfehlen, bei denen ein erwärmtes Material unter Druck in das Wurzelkanalsystem eingebracht wird. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in „Die thermoplastische Wurzelfüllung – Eine Alternative für die Praxis?“ [Appel, C; Zahnmedizin Up2date, 1-2009; Thieme Verlag],

Hochbiokompatible Materialien
Müssen größere Öffnungen der Wurzel, wie sie z. B. durch entzündliche Resorptionen oder iatrogene Perforationen entstehen, gegen den angrenzenden Kieferknochen verschlossen werden, setzte die mangelhafte Biokompatibilität der bis dato vorhandenen Materialien hier enge Grenzen. Aktuell bieten hochbiokompatible Stoffe, die unter mikroskopischer Kontrolle im Defektbereich platziert werden, deutlich eweiterte Therapiemöglichkeiten.

MÖglichkeiten

Nicht durch ein einzelnes Gerät oder Material, sondern meist durch die  Kombination all dieser Möglichkeiten in Verbindung mit aktuellsten wissenschaftlich basierten Therapiekonzepten, hoher Qualifikation, viel Erfahrung und nicht zuletzt durch hohen Zeitaufwand für unsere Patienten, können wir Zähne erhalten, bei denen das sonst oft nicht möglich ist.

Revisionsbehandlung
Bei über 90% unserer Behandlungsfälle wurde zuvor bereits ein Behandlungsversuch unternommen oder liegt bereits eine nicht erfolgreiche Wuzelkanalfüllung vor. Häufig werden solche Zähne entfernt oder es wird vorschnell eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt. Diese ist meist nicht erforderlich. Unter Ausnutzung allerMöglichkeiten gelingt es uns meist, nach Entfernung der vorhandenen Wurzelkanalfüllung, langzeittherapieresistente Keime zu eleminieren, zuvor nicht erreichte Anteile des Wurzelkanalsystems zu erschließen und mit thermoplastischen Verfahren unter Druck zu verschließen, also lediglich durch eine präzise Wurzelkanalbehandlung den Zahn zu erhalten.

Orthograde Revision nach erfolgloser WSR
Häufig werden Wurzelspitzenresektionen (WSR) bei unvollständig wurzelkanalbehandelten Zähnen und ohne eine ausreichende retrograde Präparation und Füllung des Wurzelkanals durchgeführt. Kommt es zum Mißerfolg, wird der Zahn in der Regel entfernt. Wir revidieren solche Therapien lediglich durch eine präzise Wurzelkanalbehandlung, verschließen die Öffnungen im Bereich der resezierten Wurzelspitzen mit hochbiokompatiblen Materialien. Ein erneuter chirurgischer Eingriff muß nicht erfolgen. Hierbei erzielen wir hohe Erfolgsquoten.

Entfernung von Wurzelkanalstiften
Oftmals verhindern einzementierte, massive Wurzelkanalstifte den Zugang zu einer erneuerungsbedürftigen Wurzelkanalfüllung. Mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sind solche Wurzelkanalstifte fast immer entfernbar.

Entfernung von abgebrochenen Instrumentenfragmenten
Unter mikroskopischer Kontrolle gelingt es meist durch ultraschallgestütze Präparation Zugang und Platz zur Entfernung des Fragments zu schaffen. Je nach Lage und Größe des Bruchstücks kann dies jedoch extrem zeitaufwändig sein. Im Anschluß wird eine Revisionsbehandlung durchgeführt.

Verschluß größerer Kontaktbereiche zum umgebenden Kieferknochen
Ist ein Defekt zwischen Wurzelkanal und Kieferknochen entstanden (Perforation) kann dieser unter mikroskopischer Kontrolle mit entsprechenden hochbiokompatiblem Material wieder verschlossen werden.

Wurzelkanalbehandlung an Zähnen mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum
Waren früher langwierige Behandlungen über mehr als ein Jahr mit regelmäßigen Sitzungen erforderlich, so können wir solche Zähne heute meist in nur 2-3 Terminen behandeln. In der Regel können wir erreichen, dass sich sogar das Wurzwelwachstum fort setzt.